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Konferenz

Die drei roten Fäden unserer 4. Gen AI Conference

25. Juli 2026

Am 25. Juni fand im Spielfeld Digital Hub Berlin unsere 4. Gen AI Conference statt – ein toller Tag mit spannenden Diskussionen. Wir bedanken uns bei allen, die trotz Hitze den Weg zu uns gefunden haben. Statt jeden Vortrag einzeln nachzuerzählen, haben wir die Essenz des Tages in drei Beobachtungen verdichtet, die sich durch fast alle Sessions zogen.

Impressionen von der 4. Contiamo Gen AI Conference
Impressionen von der 4. Contiamo Gen AI Conference in Berlin.

Roter Faden 1: Der Engpass ist nicht mehr das Modell, es ist der „Harness”

Die vielleicht wichtigste Botschaft des Tages, in drei Vorträgen unabhängig voneinander hergeleitet: Die Modelle sind gut genug. Die Arbeit steckt in allem drumherum.

In der Prototype Session zeigte Mike Linthe fünf Live-Demos – vom Mold-GPT-Chatbot von vor zwei Jahren, der heute als Agent selbstständig Wetterdaten zieht, die Rechtslage prüft und eine Entscheidungsvorlage schreibt, bis zu Contractable, einem AI-first Vertragsmanagement, das den alten Prozess nicht automatisiert, sondern ersetzt. Sein Fazit: Jede Demo stand oder fiel mit vier Dingen – Context, Memory, Tools, Guardrails. Nicht mit dem Modell.

Leon Qadirie baute live einen Versicherungs-Agenten und zeigte Schritt für Schritt, warum ein nacktes Modell „confidently clueless” ist – und wie erst Kontext, Werkzeuge, Prüfschritte und Governance daraus ein System machen, dem man einen Schadensfall anvertrauen kann. Seine Einordnung der Ära: von Prompt Engineering (2023) über Context Engineering (2024/25) zu Harness Engineering (2026).

Was das für Sie heißt: Warten Sie nicht auf das nächste Modell. Investieren Sie in die Umgebung, in der das Modell arbeitet – dort liegt 2026 der Hebel.

Roter Faden 2: Souveränität ist von der Folie in die Realität gewandert

Michael Dietzes Keynote „The Tempo Is Shifting” hatte einen unfreiwillig perfekten Anschauungsfall: Der Fable-Shutdown war zum Konferenzzeitpunkt zwei Wochen alt. Europa, so seine nüchterne Analyse, lebt als „Technology Taker” – selbst wenn wir kaufen wollen, dürfen wir manchmal nicht, oder nur zu Bedingungen, die wir nicht mögen. Gleichzeitig konzentriert sich der Markt dramatisch: Die „Super Six” der US-Tech-Konzerne sind zusammen etwa 22 Billionen USD wert – der gesamte deutsche Aktienmarkt: 2,9 Billionen.

Die gute Nachricht des Tages: Man muss die Modelle nicht besitzen, um die Kontrolle zu behalten. Die Antwort ist ein Architekturprinzip, das sich durch mehrere Sessions zog: „Bring your own agent” – ein eigener Agent, der über kontrollierte Schnittstellen auf die eigenen Systeme wirkt, statt KI-Features verstreut in jedem Vendor-Produkt. Und als Kirsche obendrauf: Die komplette Pulse-Datenanalyse-Demo lief nicht in der Cloud, sondern auf einer Box, die auf einem Stuhl im Saal stand. Kein US-Provider, keine Token-Rechnung, keine Daten verlassen das Gebäude.

Was das für Sie heißt: Anbieter-Unabhängigkeit, hybride Architekturen und lokale Modelle für die sensiblen Teile sind keine Ideologie, sondern Risikoabsicherung – der Juni hat es bewiesen.

Roter Faden 3: Das Fundament entscheidet – Daten, Menschen, Governance

Die Basics sind häufig nicht so spektakulär, aber umso wichtiger. Das lernten wir im Client Deep Dive mit der Deutschen Telekom (Viktor Sonntag, Dominik Fey, Michael Dietze) zur dCPO-Suite im Einkauf. Die Kernbotschaft steckte schon im Titel-Claim: „Get the foundation right, and AI delivers.” Eine governte Datenplattform als Single Source of Truth, darauf eine Suite von KI-Lösungen und vier Lektionen für jeden, der Ähnliches vorhat: Daten und Schnittstellen sind das Fundament. Fokus ist schwerer als Technologie. Ein Use Case, beweisen, dann skalieren. Und am Ende geht es um Menschen.

Denselben Punkt machten Kira Lenz-Eckstein und Dr. Alexandru Tudorică im Security-Vortrag von der organisatorischen Seite: Die Mehrheit der Wissensarbeiter nutzt bereits eigene, nicht freigegebene KI-Tools – Verbote erzeugen nur Schatten-KI, Bereitstellen ist die Lösung. Dazu die wohl praktischste Nachricht des Tages: Die High-Risk-Deadlines des EU AI Act verschieben sich voraussichtlich auf Ende 2027/2028 (Vorsicht: noch nicht im Amtsblatt) – aber der Act sagt ohnehin nur was, nicht wie. Ihre fünf Takeaways: AI Act als Boden, nicht Decke. Enablen statt verbieten. Risiko-Dreieck respektieren (Wissen × Exposure × Fähigkeit). Klassische Security gilt mehr, nicht weniger. KI zur Verteidigung nutzen, Menschen in der Schleife halten.

Session-Highlight: GenAI Media

In seiner GenAI-Media-Session lieferte Daniel Mahlow den visuellen Höhepunkt des Tages – und die These, die alles zusammenbindet: Die Einzeldisziplinen (Voice, Bild, Musik, Video) sind gelöst; die verbleibende Herausforderung ist die Orchestrierung. Sein Kunden-Prototyp produzierte einen kompletten Werbespot aus einem einzigen Agenten, der die gesamte Pipeline orchestriert – Konzept, Storyboard, Video, Stimme, Schnitt und Auslieferung – mit dem Menschen als Regisseur. „You stay the director.”

Strategischer Ausblick

Wenn man den Juni auf einen Satz eindampft: Die Frage ist nicht mehr, ob KI funktioniert, sondern wem die Intelligenz gehört, auf der Ihr Unternehmen läuft. Fable 5 hat gezeigt, dass Zugang politisch ist. Starbucks zeigt, dass die Build-Option real ist. Und unsere Konferenz hat gezeigt, wie der Weg dazwischen aussieht: eigener Harness, eigene Datenbasis, eigene Governance, Modelle austauschbar.

Sie möchten eines der Konferenz-Themen vertiefen? Melden Sie sich bei der unten genannten Ansprechperson – wir stellen gern den Kontakt zu den Speakern her.

Michael Dietze

Ansprechpartner:in

Michael Dietze

Managing Director